Ich darf doch bitten, ehrenwerte Gesellschaft der Formel 1 - Profis,

die Sie dabei sind, uns nach dem Radspott einer weiteren zu entfremden.

Erst sechs Stunden nach der Zieleinfahrt in Sao Paulo wussten wir, ob nun der Finne wirklich Weltmeister ist.

Er ist es!

Und der Sensationsfavorit Hamilton guckt durch die Fernsehröhre. Dort kann er noch ein mal minizios verfolgen, wie ihm das McLarenMercedesTeam in Shanghai mit stümperhaftem Mismanagement das Championat vermasselte. Ein Kiesbett im Zornfeld führte zum Ausscheiden. Der Ausrutscher von Hamilton mit abgefahrenen Reifen vielleicht sogar ein profilloser der Teamleitung. Sollte  man vielleicht als zweitem Standbein dem Titelverteidiger ein höheres Punktepolster gegen Verfolger Raikkönen verschaffen.?

Beim vorherigen Rennen hatte dem jungen britischen Treppchenstürmer sein heißblütiger InTeamfeind Alonso die Boxengasse versperrt und um den Sieg und weitere wichtige Punkte betrogen.

Im Jahr Eins nach Schumacher kam uns so manches in der Königsklasse des Automobilsports längst spanisch vor. Spanisch Eis - kalt.

In Sao Paulo, beim letzten Lauf, war in zwei Boliden die Differenz zwischen Benzin und Außentemperatur zu groß gewesen - ein Grad! Dann könnten die Beschuldigten wegen regelwidrigen Wettbewerbsvorteils disqualifiziert wurden, Hamilton punktemäßig aufrücken und doch noch zum Weltmeister erklärt werden. Denn zu kalter Treibstoff hat eine höhere Dichte und steigert unerlaubt die Motorleistung. Die Fia - Rennkommissare stelten das Vergehen zwar fest, aber entschieden: Keine Disqualifikation.

Prompt legte auf den Trümmern einer vergeigten Saison (Spionageskandal mit 100 - Mio - Dollarstrafe, unprofessionelles Handling von Team und Fahrerverhalten) der wirkliche Verlierer McLarenMercedes Protest gegen die halbherzige Entscheidung der Rennkommissare ein. Weltmeister und Fans bitte sieben Tage in die Warteschlange einreihen.

Nur eines ist sicher: Für den Torera, der alle seine Konkurrenten wie ein Stierkämpfer seine von vornherein zur  verurteilten Opfer zu behandeln pflegt, gibt es keinen Hattrick mehr. Kein drittes Mal hintereinander Weltmeister. Das wenigstens ist die gute Nachricht.

Immerhin, in den letzten Jahren war die Formel 1 durch die Dauersiege Michael Schumachers beinahe zum Langweiler geworden. An Spannung hat es diesmal wegen der zahlreichen Spannungen nicht gefehlt. Und wir haben einen 22jährigen Vizeweltmeister, der als Debütant zum Treppchenstürmer geworden ist. Ob ihm nun ein nachträglich per E-Mail zugestellter Weltmeristertitel für seine beispiellose Karriere mehr schadet oder nützt, das werden wir schon in der nächsten Saison erleben.

Die Nerven auch der Fans liegen blank. Wie im Radsport wird auch bei der Formel 1 weiter gedoppt. Nur dort sind es nicht die Fahrer, sondern die Boliden. Es wird auch künftig getrickst, beklagt und geklagt. Der Formel 1 - Zirkus, so wegen seiner unterschiedlichen Austragungsorte genannt, zieht auch 2008 weiter.

So aufregend das Warten für die betroffenen Teams und für manchen unerschütterlichen Fan noch sein  mag, es wird am Ende nur einen Weltmeister 2007 geben. Aber elf Geldmeister, denn die F(ies) One  ist ein Ding, bei dem  Werbemilliarden bewegt werden. Ganz gleich, bei wem der Airbag des Erwischten rausfliegt, verderben Sie, wenn sich schon einige gegeneinander betrügen, doch wenigstens uns nicht die letzte spontane Freude und fallen stattdessen wie die unglückselige Tour-de -France in zunehmende Bedeutungslosigkeit zurück.

Ea gibt ja noch die Formel 3 mit ihren nicht minder spannenden Rennen.

Deshalb bitte ich Sie als Profi(t)verantwortliche schon jetzt für die nächste Saison: Der Fairness eine Boxengasse!

Mit nachdenklichem Gruss

Jochen Jocketa

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